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Großangriff auf das Internet?


"Bei der Vorhersage drohender Hack-Attacken und "Cyberwars" waren die US-Behörden bisher wenig erfolgreich. Jetzt aber sind sie wieder einmal sicher: Da ist was im Anzug - und diesmal könnte etwas dran sein..." [Auszug aus Spiegel Online 2003 - Netzwelt]

Grund für die Furcht der US-Regierung sind massive Abtastungen von Computern mit Microsoft Betriebssystemen, seit ein Sicherheitsloch in diesen bekannt wurde, die sogenannte "Windows RPC Interface Buffer Overrun"-Sicherheitslücke". Unter Ausnutzung dieser kann ein Angreifer beliebigen Code auf einem Zielrechner ausführen. Und just nach dem Bekanntwerden dieser Sicherheitslücke ist auch eine Erhöhung der spezifischen Portscans, d.h. gezieltes Suchen nach dieser Sicherheitslücke, aufgefallen.

Wörtlich heißt es dazu bei Microsoft: "Wenn ein Angreifer diese Schwachstelle erfolgreich ausnutzen kann, kann er die vollständige Kontrolle über einen Remotecomputer erlangen. Dies ermöglicht dem Angreifer das Durchführen aller gewünschten Aktionen auf dem Server, z. B. das Ändern von Webseiten, das Neuformatieren der Festplatte oder das Hinzufügen neuer Benutzer zur Gruppe Lokale Administratoren."

Sicher gegen einen solchen Angriff kann sein, wer glücklicher Besitzer einer funktionierenden Firewall ist, die normalerweise die offenen Ports eines Windows-Rechners nach außen blockiert. Oder wer einen fixen Systemadministrator hat, der den aktuell von Microsoft bereitgestellten Sicherheitspatch (Programm zur Beseitigung des Fehlers) zügig einspielt. Ansonsten muß man sich, lt. FBI, auf eine "umfangreiche Attacke" gefaßt machen, mit der das Internet teilweise ausgeschaltet werden könnte.

Daß sich die vereinigten Staaten vor einen Großangriff auf das Internet fürchten ist indes nichts neues - Warnungen gab es in dieser Richtung schon viele. So war bereits im Januar 2002 jeder zweite IT-Profi in den USA davon überzeugt, dass im Laufe des nächsten Jahres eine massive Cyber-Attacke über die Vereinigten Staaten hereinbricht.

Die Wahrheit sah indes nicht so spektakulär und anti-amerikanisch, dafür aber genauso furchteinflößend aus: Viele kleine bis mittelgroße Angriffe in allen Bereichen und nicht nur in den USA. Z.B. legte im Juli 2002 eine DoS-Attacke den Webhoster Strato lahm. Die von Strato gehosteten Seiten waren zeitweise kaum noch zu erreichen. Nach übereinstimmenden Angaben von Strato und KPNQwest war eine Denial-Of-Service-Attacke (DoS) die Ursache des Ausfalls.. ..nicht von verteilten Rechnern, sondern eine Maschine! ..vermutlich mit mehr als 100 MBit/s direkt ans Internet angeschlossen. Böse Zungen mögen behaupten, daß die Strato-Konkurrenz der Übernahme von KPNQwest nicht positiv gestimmt war.

Am 6. Juli 2003 war ein sogenannter "Website-Defacement-Wettbewerb" geplant, bei dem möglichst viele Webseiten in kurzer Zeit gehackt werden sollten. Gewinner sollte sein, wer als erster 6.000 Webseiten manipuliert hat. Zwar ist dann am 6. Juli selbst nicht viel mehr passiert als daß die zum Wettbewerb aufrufende Seite gehackt wurde, komischerweise waren aber das Internet und die großen Provider in der Folgewoche massiv mit Dienst- und Geschwindigkeitseinbußen beschäftigt. Rausgelassen hat freilich keiner was.

Verfolgt man regelmäßig die aktuellen Warnungen und Sicherheitshinweise für die Betriebssysteme und Internetprogramme, so kann einem auf Dauer schon schlecht werden. Und so manch ein Administrator mag aus Zeitgründen damit anfangen sich mehr auf mystische denn auf technologische Lösungen einzulassen. Trotzdem ist nach wie vor die größte Gefahr nicht der gewiefte Cracker in den tiefen des Cyberspace, sondern der unbedarfte Benutzer zu Hause oder im Firmennetz. Die wichtigste Maßnahme zur Verhinderung (oder Schadensbegrenzung) des großen Crashes ist nach wie vor ein gut geschulter Mitarbeiter der weiß, was er mit dem Anhang "britney.zip" anstellt: Nämlich in den Mülleimer werfen.

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